Weiterbildungsprogramm Energieberatung (TAE) | Ostfildern |
Einführung
Das Weiterbildungsprogramm Energieberatung (TAE) wurde initiiert, um den effizienten Umgang mit Energie und daraus resultierend Verbrauchseinsparungen von natürlich begrenzten Ressourcen zu fördern. Das Interesse an derartigen Einsparungen ist bei allen Energieverbrauchern vorhanden. Das wachsende Umweltbewusstsein führte nicht erst in den letzten Jahren zu der Überzeugung, dass Schadstoffemissionen durch geringere Energieverbräuche besonders wirksam reduziert werden. Bei der Energieeinsparung gehen somit Ökonomie und Ökologie Hand in Hand.
Aus jeder Verbrauchssenkung folgt somit einerseits ein privater oder betrieblicher Nutzen als direkte Einsparung für den einzelnen Verbraucher, und andererseits ein öffentlicher Nutzen und volkswirtschaftlicher Vorteil. Durch das öffentliche Interesse an Energieeinsparungen und Reduzierung von Schadstoffemissionen wurden in den letzten Jahren zum einen die Anforderungen an den Wärmeschutz der Gebäude und den Nutzungsgrad der Wärmeerzeuger erheblich erhöht, zum anderen wurden die Investitionen für derartige Zwecke aus öffentlichen Mitteln subventioniert. Nur so ist es möglich, die Ziele der Bundestag-Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" und der Umweltschutzbeschlüsse der Konferenzen von Rio de Janeiro und Berlin in Deutschland zu erfüllen und das Kyoto-Protokoll umzusetzen.
Entscheidend für die rationale Anwendung von Energiesparmaßnahmen ist der Kenntnisstand der Energieberater, also geschulten Fachleuten mit umfassenden Kenntnissen, über Möglichkeiten und Einsparpotenziale unterschiedlichster Maßnahmen. Diese Fachleute sollen nach mehrjähriger Tätigkeit im Energiesektor oder in Bereichen des Architektur- oder Baugewerbes mit Schwerpunkten in der Optimierung der Energienutzung eine umfassende und auf die Energieberatung zugeschnittene Weiterbildung erhalten, um die effiziente Nutzung von Energie zu gewährleisten. In der heutigen Zeit besteht zur Umsetzung der EU-Energieeffizienz-Richtlinie ein großer Bedarf an derart geschulten Fachleuten. Die Energieberater finden in Ingenieurbüros, Baubüros, Architekturbüros, energieintensiven Betrieben des Handwerks, der mittelständischen Industrie und in Kommunen mannigfaltige Tätigkeitsgebiete.
Aufgrund des hohen Bedarfs und des öffentlichen Interesses an derart geschulten Fachleuten auf dem Energiesektor wurde der Aufbau des Weiterbildungsprogramms Energieberatung (TAE) aus baden-württembergischen Landesmitteln gefördert. Absolventen dieser Weiterbildungsmaßnahme erhalten eine umfassende Wissensbasis, um effektive Energiesparmaßnahmen je nach Anwendungsfall abzuschätzen und eine Maßnahmenrangfolge zu erstellen unter Beachtung geltender Vorschriften und möglicher staatlicher Förderungsmaßnahmen. Einzelne in der Praxis verfügbare Teilsysteme werden dazu in eine ganzheitliche Systembetrachtung einbezogen, um eine Optimierung der Systemparameter vorzunehmen.
Das zu ermittelnde Wissen bzw. die zu vermittelnden Fähigkeiten sind dementsprechend umfangreich. Aus diesem Grund wird das gesamte Weiterbildungsprogramm in Selbststudienphasen, in denen der Teilnehmer zu Hause Lehrgangsunterlagen bearbeitet, und Präsenzphasen, in denen der bereits bearbeitete Lehrstoff angewandt und vertieft wird, aufgeteilt. Derartige Durchführungspraktiken haben sich als Weiterbildungsmaßnahmen bewährt, d.h. in einer erwachsenengerechten Weiterbildung wird auf bereits vorhandenem Wissen aufgebaut. Der Teilnehmer verfügt über eine entsprechende Ausbildung und Praxiserfahrung in seinem beruflichen Tätigkeitsfeld und kann deshalb auf diesem Wissen aufbauend den Lehrstoff bearbeiten.
Die Grundlagenmodule helfen den Teilnehmern des Weiterbildungsprogramms, im Selbststudium Lücken im Ausgangswissen zu schließen bzw. Grundlagenwissen aufzufrischen und zu aktualisieren. Der Lehrstoff der Energieberatungsmodule baut auf diesem Grundlagenwissen systematisch auf.
In den Präsenzphasen werden Fragen aus dem Selbststudium diskutiert und neueste Entwicklungen vorgestellt. An Praxisbeispielen wird die planerische und ausführungs-technische Vorgehensweise demonstriert. Die Präsenzphasen dienen zudem dazu, berufliche Kontakte zu anderen Teilnehmern sowie zu den Fachdozenten zu knüpfen. Selbstständig zu lösende Aufgaben zur baulichen und anlagentechnischen Energieplanung mit fachlicher Betreuung runden das Lehrprogramm ab.
Der fachliche Umfang der Weiterbildungsmaßnahme ist im Struktogramm (Bild 1) zusammengefasst. An einem Einführungstag werden der organisatorische Ablauf sowie Lernziele, Lernumfang und eine erste Energieberatungskonzeption vorgestellt. Im weiteren Verlauf wird die Energieberatungstätigkeit aus interdisziplinären Blickwinkeln vermittelt und trainiert. Die linke Seite des Struktogramms zeigt den Ablauf des Präsenzunterrichts vom Einführungstag bis zum Ende der dritten Präsenzphase.
Die Grundkenntnisse über Objekt-Kenngrößen, objektbezogene Randbedingungen und energetische Maßnahmen werden während der Selbststudienphasen von den Teilnehmern bearbeitet. Sie wirken auf die entsprechenden Referate des Präsenzunterrichts ein. Die Inhalte des Selbststudiums sind auf der rechten Seite des Struktogramms erkennbar.
Auch nach dem Ende des Weiterbildungsprogramms besteht die Möglichkeit, sich über Weiterentwicklungen und Erfahrungen auf dem Laufenden zu halten. Dazu wird im zweijährigen Turnus ein "Vertiefungslehrgang Energieberatung" angeboten.
Das gesamte Weiterbildungsprogramm hat eine Dauer von ca. 11 Monaten. Es ist wie folgt aufgeteilt:
Einführung 1 Tag
1. Selbststudienphase ca. 18 Wochen
1. Präsenzphase 1 Woche
2. Selbststudienphase ca. 12 Wochen
2. Präsenzphase 1 Woche
3. Selbststudienphase ca. 14 Wochen
3. Präsenzphase 1 Woche
Während der Selbststudienphasen werden Lehrgangsunterlagen und Übungsaufgaben bearbeitet, die einerseits zur selbstständigen Wissensüberprüfung dienen und andererseits von den Lehrgangsleitern/Dozenten korrigiert und mit Verbesserungsvorschlägen an die Teilnehmer zurückgegeben werden. Im Laufe der Präsenzphasen besteht neben dem normalen Lehrprogramm die Möglichkeit, individuelle Problemstellungen zu diskutieren.
Das Programm ist in sich eine geschlossene Weiterbildungsmaßnahme und nur die Absolvierung aller Teile führt zu dem gewünschten Erfolg, Energieberatungen auf wissenschaftlich fundierten Kenntnissen mit Berücksichtigung aller für das Gesamtsystem zur Verfügung stehenden Maßnahmen durchführen zu können.
Das Weiterbildungsprogramm basiert auf den neuesten Ergebnissen technischer Entwicklungen und auf den neuesten zur Verfügung stehenden Planungstools und Datenmaterialien. Um den technologischen Weiterentwicklungen auf diesem Fachgebiet gerecht zu werden, wird von der Technischen Akademie Esslingen turnusgemäß ein Vertiefungslehrgang angeboten, zu dem das Datenmaterial immer auf den neuesten Stand gebracht und die neuesten Entwicklungen vorgestellt werden.
