Georisiken und Hanginstabilitäten
Grundlagen, Risikobeurteilung, Schutzmaßnahmen und Monitoring
Georisiken und Hanginstabilitäten
Dr.-Ing. Bernd Kister
Geotechnical engineering and research, Neckargemünd
Schwerkraftbedingte Massenbewegungen wie Rutschungen, Murgänge, Steinschlag sowie Fels- und Bergstürze können erhebliche Gefährdungen für Bauwerke und Verkehrsinfrastrukturen darstellen. Ihre Beurteilung erfordert Kenntnisse über die zugrunde liegenden geologischen und geotechnischen Prozesse ebenso wie über geeignete Berechnungs-, Sicherungs- und Überwachungsverfahren.
Neben der fachgerechten Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen kommt der Auswahl geeigneter aktiver und passiver Schutzmaßnahmen besondere Bedeutung zu. Monitoring, Bauwerksüberwachung und die regelmäßige Kontrolle bestehender Sicherungsbauwerke bilden dabei wichtige Bausteine für die Beurteilung von Veränderungen und die dauerhafte Wirksamkeit getroffener Schutzmaßnahmen.
Das Seminar verbindet die Grundlagen der Entstehung und Bewertung von Hanginstabilitäten mit Berechnungsverfahren, technischen Schutz- und Stabilisierungsmaßnahmen sowie unterschiedlichen Methoden der Überwachung. Praxisbeispiele zeigen Einsatzmöglichkeiten, Grenzen und typische Fragestellungen bei Beurteilung, Planung, Sicherung und Überwachung.
Ziel der Weiterbildung
Das Seminar vermittelt die fachlichen Grundlagen, um Georisiken und Hanginstabilitäten einzuordnen sowie geeignete Untersuchungs-, Bewertungs-, Sicherungs- und Überwachungsmaßnahmen zu beurteilen.
Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über Ursachen und Erscheinungsformen schwerkraftbedingter Massenbewegungen, geodätische und geotechnische Monitoringverfahren, aktive und passive Sicherungsmaßnahmen sowie konventionelle und numerische Berechnungsmodelle.
Darüber hinaus werden die Risiko- und Gefährdungsbeurteilung sowie Anforderungen an die Überwachung und Instandhaltung von Schutzbauwerken anhand praktischer Erfahrungen behandelt.
Nach dem Seminar können die Teilnehmer:
- unterschiedliche Arten schwerkraftbedingter Massenbewegungen und deren wesentliche Einflussgrößen einordnen,
- geodätische, geotechnische und weitere Monitoringverfahren hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten beurteilen,
- aktive und passive Sicherungsmaßnahmen anhand ihrer Wirkungsweise und Einsatzbereiche unterscheiden,
- Berechnungsmodelle für Rutschungen in Lockergestein und Fels hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten einordnen,
- grundlegende Zusammenhänge von Risiko, Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial nachvollziehen,
- Anforderungen an die Überwachung und Instandhaltung von Schutzbauwerken besser beurteilen,
- Erkenntnisse aus Praxisbeispielen auf eigene Aufgabenstellungen übertragen.
Das Seminar richtet sich an Berufserfahrene und Berufseinsteiger aus Bauingenieurwesen, Geotechnik, Ingenieurgeologie und Geologie sowie an Fachkräfte aus Entwurfs- und Planungsbüros, Bauunternehmen, Straßenbau- und Infrastrukturverwaltungen, Behörden und öffentlichen Institutionen, dem Sachverständigenwesen sowie bei Infrastrukturbetreibern.
Grundkenntnisse in Geotechnik, Ingenieurgeologie oder konstruktivem Ingenieurbau sind für die Teilnahme hilfreich.
Tag 1 – Grundlagen, Monitoring und aktive Stabilisierung
09:30 – 10:30 Uhr
Grundlagen (B. Kister)
- Ursachen und Einflussgrößen
- Typisierung schwerkraftbedingter Massenbewegungen
- Rutschungen
- Murgänge
- Steinschlag
- Fels- und Bergstürze
- Klassifikation von Rutschungen nach Tiefe der Gleitfläche und Aktivität
- Fallbeispiele Vajont, Italien, und Lammbachgraben, Schweiz
10:30 – 10:50 Uhr
Kaffeepause
10:50 – 11:50 Uhr
Monitoring (B. Kister)
- geodätische Messungen
- LIDAR und Radar
- kabellose, selbstorganisierende Sensornetze
- Praxisbeispiele
11:50 – 12:50 Uhr
Aktive Maßnahmen zur Stabilisierung – Teil I (K. Keilig)
- Reduzierung der treibenden Kräfte durch Drainierung
- Hydrogeologie von Rutschungen
- hangparalleles Böschungsversagen mit und ohne Wassereinfluss
- Fassung und Ableitung von Wasser
- Drainagegräben
- Tiefendrainagen
- Bohrungen
- Drainageschirme
- Stollen
- Praxisbeispiele
- Übungsbeispiel Felskeil
12:50 – 13:50 Uhr
Mittagspause
13:50 – 14:50 Uhr
Aktive Maßnahmen zur Stabilisierung – Teil II (B. Aberle)
- Erhöhung des Widerstands durch:
- Übernetzungen
- Spritzbetonsicherungen
- Betonplomben
- Stützbauwerke
- Hangverdübelungen
- Anker
- Pfähle
- Praxisbeispiele
14:50 – 15:10 Uhr
Kaffeepause
15:10 – 16:10 Uhr
Geotechnische Messsysteme zur Überwachung (B. Aberle)
Messsysteme in Bohrungen:
- Extensometer
- Inklinometer
- Inkrex
- Gleit-Mikrometer
- Porenwasserdruckgeber
- Akustische Emissionen (AE) bei Rutschungen
Messsysteme an Bauwerken:
- Ankerkraftmessung
- Setzungspegel und Schlauchwaage
- Erddruckmessungen
16:10 Uhr
Ende des ersten Seminartages
Tag 2 – Schutzbauwerke, Berechnungsmodelle und Risikobeurteilung
09:00 – 10:00 Uhr
Passive Maßnahmen: Schutzbauwerke gegen Steinschlag und Murgang – Teil I (B. Kister)
- Überblick über Schutzmaßnahmen
- Steinschlagsimulationen in 2D und 3D
- Tunnel- und Galeriebauwerke
- Steinschlagschutzdämme
- Gestaltung und Aufbau
- Berechnungsmodelle
10:00 – 10:20 Uhr
Kaffeepause
10:20 – 11:20 Uhr
Passive Maßnahmen: Schutzbauwerke gegen Steinschlag und Murgang – Teil II (B. Aberle)
- flexible Steinschlagschutzsysteme
- Steinschlagvorhänge
- Steinschlagschutznetze
- flexible Ringnetzbarrieren als Murgangssperren
- Praxisbeispiele
11:20 – 12:20 Uhr
Instandhaltung und Überwachung von Schutzbauwerken (K. Keilig)
- Überblick über Instandhaltung und Überwachung
- Grundlagen der Bauwerksüberwachung
- praktische Hinweise zur Überwachung
- Erfahrungen aus vier Jahren Bauwerkskontrollen
- Praxisbeispiel zu Überwachung und Instandhaltung
12:20 – 13:20 Uhr
Mittagspause
13:20 – 14:20 Uhr
Berechnungsmodelle für Rutschungen in Lockergestein und Fels (B. Kister)
- konventionelle Berechnungsmodelle
- numerische Berechnungsmodelle
- Kontinuumstheorie
- diskrete Modelle
14:20 – 14:50 Uhr
Berechnungsmodelle – Vordimensionierung und Berücksichtigung von Erdbebeneinwirkungen (B. Aberle)
- Anwendung des Programms Rovolum
- Berücksichtigung von Erdbebeneinwirkungen
14:50 – 15:10 Uhr
Kaffeepause
15:10 – 16:10 Uhr
Risiko und Gefährdungsbeurteilung (B. Kister)
- Risiko, Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial
- gesellschaftliches (kollektives) und personelles (individuelles) Risiko
- Intensitäts-Wahrscheinlichkeits-Diagramme
- Gefahrenhinweiskarten
- Beispiel für die Veränderung der Risikobeurteilung mit der Zeit
16:10 Uhr
Ende des Seminars
73760 Ostfildern
Anfahrt
Die TAE befindet sich im Südwesten Deutschlands im Bundesland Baden-Württemberg – in unmittelbarer Nähe zur Landeshauptstadt Stuttgart. Unser Schulungszentrum verfügt über eine hervorragende Anbindung und ist mit allen Verkehrsmitteln gut und schnell zu erreichen.

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Preis:
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1.010,00 €
(MwSt.-frei)
vor Ort
1.010,00 €
(MwSt.-frei)
pro Teilnehmer live online
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Die gezeigte Übungsaufgabe zum Stabilitätsnachweis war besonders lehrreich und gut anwendbar.